Stay-behind-die Geheimarmeen der NATO

Veröffentlicht: 17. Januar 2018 in Allgemein

Stay-behind

 

Die Vorstellung der Amerikaner war es, dass sich alle Mitglieder vom Stay-behind-Netzwerk von den Sowjets überrennen ließen und  dann als Partisanen agierten. (Stay-behind=zurückbleiben/dahinter).

1990 informierte der italienische Premierminister Giulio Andreotti die Öffentlichkeit erstmals über die Existenz von Gladio.

Ab 1950 wurden in Italien Agenten für Guerillaoperationen und Sabotage gegen Besatzertruppen des Warschauer Pakts ausgebildet. Für diese „Stay Behind“-Operationen wurden europaweit geheime, illegale Waffendepots angelegt. Die Existenz der Untergrund-Armee wurde geheim gehalten und war nur einem kleinen Kreis von Regierungsmitgliedern bekannt. In den einzelnen Ländern wurde die Anwerbung und Führung der Agenten meist von Unterabteilungen der jeweiligen nationalen Geheimdienste übernommen.

Auch in Deutschland baute man nach dem Zweiten Weltkrieg eine NATO-Geheimarmee auf. Vor allem die Vielzahl an ausgeprägten antikommunistischen Männern, die ausgebildet waren und Erfahrung hatten in der Guerilla-Kriegsführung, waren zahlreich  und willkommen bei der CIA. Auf Befehl des Pentagons spürte das  neu gegründete amerikanische Gegenspionagekorps CIC deutsche Nazis auf und brachte sie zu den Nürnberger Prozessen, während im gleichen Atemzug das CIC auch heimlich ausgewählte Nazis für die antikommunistische Armee (Stay-behind) rekrutierte.

Im Jahre 1961 kam es dann zu einer Restrukturierung des gesamten amerikanischen Geheimdienstapparates, da die Vielzahl unterschiedlicher Dienste nur allzu oft ein ineffektives Nebeneinander geheimdienstlicher Aktivitäten produzierte. Im Zuge dieser Restrukturierung wurde das CIC mit den entsprechenden Organisationen der Luftwaffe und der Marine zur Defense Intelligence Agency (DIA) verschmolzen.

Diese Praxis wurde später im Jahre 1986 aufgedeckt, als das amerikanische Justizministerium in einer Pressekonferenz eingestand, dass die CIA in den Nachkriegsjahren einen hochrangigen Nazi rekrutiert hatten.In einer Studie wurde bestätigt, dass der SS-und Gestapo-Offizier Klaus Barbie 1947 vom CIC angeworben und danach vor den Ermittlern der Kriegsverbrechen versteckt wurde und später, 1951, aus Europa über einen Schleichweg nach Argentinien verschwand. Barbie war maßgeblich am Aufbau des deutschen Stay-behind -Netzwerkes beteiligt. Er war sehr nützlich für die Amerikaner.Klaus Barbie war als „Schlächter von Lyon“ im Zweiten Weltkrieg bekannt geworden.Er war von 1943-1944 für die Ermordung von mindestens 4000 Widerstandskämpfern und Juden verantwortlich, ebenso für die Deportation weiterer 15000 in die Konzentrationslager, wo sie meist den Tod fanden.Barbie wurde von den französischen Behörden wegen Kriegsverbrechen gesucht. Auch Hitlers General Reinhard Gehlen wurde rekrutiert. (Später wurde er Chef der Organisation Gehlen, dem Vorgänger des BND).Gehlen stellte  sich nach dem Krieg freiwillig, aus Angst vor den Russen, dem CIC. Er war unter Hitler Chef der Fremden Heere Ost (FHO) und hatte die Aufgabe die Sowjetunion zu bekämpfen. Er erlangte umfangreiches Wissen,über die Russen,durch Verhöre,Folter und Mord an der Ostfront.Nach mehreren Wochen in Haft durch das CIC, kam Gehlen mit US-General Siber in Kontakt, dem er ein Geheimnis verriet. Gehlen hatte Daten, die er durch Folter über die Sowjetunion gesammelt hatte auf Mikrofilme gebannt und in den österreichischen Alpen versteckt. Der US-General war beeindruckt von dem Wissen Gehlens und beförderte dessen Karriere. Siber stellte Gehlen unter anderem General Donovan vor, dem Chef des Office of Strategic Services (OSS) der amerikanischen Armee und auch Allen Dullen vom OSS, dem späteren CIA-Direktor, wie auch Frank Wisner vom OSS, dem späteren Chef des OPC der CIA, welches das eruopäische Stay-behind-Netzwerk aufbaute. Als die Organisation Gehlen ins Leben gerufen wurde, unterzeichnete sie mit der CIA  Kooperationskontakte und ein ranghoher CIA-Beamter wurde nach Deutschland entsandt. Bei den deutschen hieß er „Herr Marschall“. Er überwachte die Organisation Gehlen. Für 150 der wichtigsten Mitglieder  legte die CIA Akten an. Der Dienst wart fest in amerikanischen Händen. Nach Aussagen eines damaligen NATO-Offiziers hatten der amerikanische Präsident Truman  und der deutsche Bundeskanzler Adenauer im Mai 1955 ein Geheimprotokoll, über den Beitritt Westdeutschlands in die NATO unterzeichnet. In diesem wurde vereinbart, dass Westdeutsche Behörden von der aktiven gesetzlichen Verfolgung bekannter Nazis Abstand nehmen würden. In Deutschland wurde 1952 eines der von Nazis dominierten amerikanischen Netzwerke mit dem Namen „Bund Deutscher Jugend“(BDJ) und sein Stay-behind „Technischer Dienst“ (TD) entdeckt. An diesem Aufbau hatte Klaus Barbie erheblich mitgewirkt.Als die Sache aufflog, schoben die Amerikaner den Deutschen die Schuld in die Schuhe.Diese Behauptung konnte jedoch nicht lange aufrecht erhalten werden.

Die New York Times berichtete am 10.Oktober 1952 unter dem Titel “ Deutsche Saboteure missbrauchen das amerikanische Vertrauen“, dass die USA sich an der Kriegsausbildung von deutschen Guerillas beteiligten und das zuverlässige amerikanische Beamte hier heute privat bestätigen, die USA hätten die geheime Ausbildung junger Deutscher und auch die vieler ehemaliger Soldaten finanziell unterstützt, damit diese im Fall eines Krieges mit der Sowjetunion als Guerilla-Kämpfer eingreifen können.

Die Anführer dieser Guerilla-Gruppe waren an politischen Aktivitäten beteiligt und hatten Schwarze Listen von Personen, die liquidiert werden sollten, da sie im Fall eines Krieges gegen die Russen als unzuverlässig eingestuft wurden, erstellt. Nach der Aufdeckung wurden viele Krisensitzungen von deutscher und amerikanischer Seite gehalten, da die Liste Namen von amtierenden Sozialdemokraten, einschließlich Regierungsbeamten  und Kommunisten enthielt.Aufgedeckt wurde das Stay-behind Netzwerk in Deutschland von einem ehemaligen SS-Offizier Hans Otto. Am 9.September 1952 ging er in Hessen ins Frankfurter Polizeipräsidium um eine Aussage zu machen. Er gehöre zu einer politischen Widerstandsgruppe, deren Aufgabe es war, im Falle eines russischen Vormarschs Sabotage Akte durchzuführen und Brücken zu sprengen. Außer dem Warten auf eine russische Invasion hatte die Geheimarmee auch anderen inländische Aufgaben. Es waren Taktiken gegen die KPD und die SPD vorgesehen. Otto enthüllte damals einen ‚Teil des Netzwerkes. Laut Daniele Ganser stellte dieser Teil mit aller Wahrscheinlichkeit nicht das gesamte deutsche Netzwerk dar.

Die Einheiten wurden über CIA und MI6 unter anderem mit Maschinengewehren, Sprengstoff, Munition und Funkgeräten ausgestattet. Diese Ausrüstung wurde in Erdverstecken, die oft in Waldgebieten lagen, oder in unterirdischen Bunkern versteckt.Als Vorbild diente das Special Operations Executive, eine britische Spezialeinheit, die während des Zweiten Weltkrieges selbst verdeckte Operationen hinter feindlichen Linien ausgeführt und Widerstandsgruppen wie die Résistance unterstützt und ausgebildet hatte. Die Mitglieder der so gebildeten Geheimtruppen kamen aus militärischen Spezialeinheiten, Nachrichtendiensten oder aus dem Rechtsextremismus, letztere teilweise mit kriminellem Hintergrund.

Hans Ottos Aussage veranlasste 1952 eine große polizeiliche Untersuchung.In der Nähe von Waldmichelbach (Odenwald, Hessen), wurde das Ausbildungszentrum der Stay-behind entdeckt. Das Zentrum soll erst im Juni 1951 in Betrieb genommen wurden sein. Davor wurden die deutschen Mitglieder des Stay-behinds auf dem amerikanischen Truppenübungsplatz in Grafenwöhr (Oberpfalz) ausgebildet. Der Standort in Hessen bestand im wesentlichen aus einem Haus mit einer unterirdischen Schießanlage und einem Bunker in der Nähe. Fast 130 Männer sollen in Hessen dort ausgebildet wurden sein. Ihr Ausbildungsprogramm umfasste Vernehmungstechniken, Schießen, die Anwendung von Sprengstoff, das Aufstellen von Fallen,Kommunikation per Funk und Tötungsmethoden.Am 13.September 1952 wurde das Ausbildungszentrum in Hessen geschlossen und einige Mitglieder des TD-Technischen Dienst verhaftet.Bei den konfiszierten Akten fand man unter anderem auch eine Liste. Die Proskriptionsliste.Diese Liste wurde für das Bundesland Hessen erstellt.

Die Anführer des Technischen Dienst, des BDJ hielten es für eine der wichtigsten Aufgaben, linke deutsche Politiker im Fall eines sowjetischen Angriffs zu töten. Dies fand der amerikanische Historiker Christopher Simpson  heraus.

Die deutschen Kommunisten standen auf der Todesliste des TD auf den ersten zehn Plätzen.Ihnen folgten die führenden Vertreter der westdeutschen SPD. Der TD hatte geplant , mehr als 40 führende Funktionäre der Sozialdemokraten zu ermorden. Simpson entdeckte, dass die USA während des Kalten Kriegs den deutschen Linken nicht trauten. Deshalb gab es ausgebildete Geheimagenten des BDJ, die die SPD infiltrierten und die Parteiführung ausspionierten, so dass sie schneller getötet werden konnten, wenn die Zeit (der Tag X der Sowjet Invasion) gekommen war.

Der Bundeskanzler Adenauer behauptete, von der ganzen Sache nichts gewusste zu haben. Die Amerikaner versuchten hingegen alles zu vertuschen. Der damalige US-Botschafter in Deutschland erklärte, dass das Netzwerk im Zusammenhang mit dem Korea-Krieg aufgebaut wurde. Außerdem behauptete er, dass die Organisation sowie so genau in diesem Monat aufgelöst werden sollte. Völlig unabhängig von der Aussage Hans Ottos. Für Deutschland war der Stay-behind Skandal keine Ländersache. Nach langen Auseinandersetzungen mit den Amerikanern vertuschten ranghohe Funktionäre der CDU um Adenauer die Angelegenheit und verhinderten eine Untersuchung.Man wollte sich wohl nicht mit der USA anlegen. Am 30. September 1952 urteilte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, dass alle verhafteten Mitglieder des deutschen Stay-behinds freizulassen sind. Der damalige hessische Ministerpräsident Zinn sagte ärgerlich:,, Die einzige juristische Erklärung für diese Haftentlassung kann sein, dass die Leute in Karlsruhe einer amerikanischen Anweisung folgten“. Zinn brachte den Skandal vor sein Landesparlament. So wurde erst die deutsche Presse, die deutsche Öffentlichkeit und das Ausland über eine deutsche NATO-Geheimarmee informiert.

Laut Daniele Ganser wurde der deutsche Ableger des italienischen Gladio aber danach nicht aufgelöst. Das geheime Stay-behind Zellen, nicht nur in Hessen, sondern auch in anderen Teilen Deutschlands existierten, wurde von Dieter von Glahn (militärisch-antikommunistische Szene) nach den Enthüllungen von 1990 bestätigt. Er war damals Leiter des TD für den gesamten Bereich Oldenburg und Bremen-Ostfriesland. Glahn behauptete, der Verfassungsschutz hatte von der Organisation Kenntnis.

Der offizielle Bericht der deutschen Regierung, 1990 von Stavenhagen verfasst, bestätigt, dass um ihre Planung unter der militärischen Führung der NATO durchzuführen, die Geheimdienste am 1952 geschaffenen sogenannten Coordinating and Planing Committee (CPC) beteiligt wurden. Zur Koordination  ihrer Zusammenarbeit , wurde das sogenannte Allied Coordination Committee (ACC) gegründet. Die deutsche Regierung bestätigt weiterhin, dass der BND seit 1959 reguläres Mitglied des CPC und ACC war. Allerdings betonte die deutsche Regierung, dass die deutsche Stay-behind Armee souverän gewesen sei. Die belgische Untersuchung der Stay-behind deckte hingegen auf, dass sowohl CPC als auch ACC vom SACEUR der NATO eingerichtet wurden. Diese Position nimmt bis heute immer ein amerikanischer General ein. Er steht in direkter Verbindung zum SHAPE und der NATO.

Die deutsche Regierung wurde, nach dem Bericht, von dem Bestehen der Geheimarmee erst in den Jahren nach 1974 informiert.Laut Daniele Ganser kann man jedoch davon ausgehen, dass mündliche Informationen über die Grundlagen der Stay-behind auf der Ebene von Richtlinien schon zuvor weitergegeben wurden. Denn die deutsche Legislative, so Ganser, verfügt über ein parlamentarisches Gremium, das verpflichtet ist, bestimmte Geheimnisse zu wahren und das in den 80er-Jahren über die Stay-behind informiert wurde, als für die Beschaffung der Harpoon-Funkgeräte zusätzliche Mittel bereitgestellt werden mussten.

Als das geheime deutsche Netzwerk 1990 aufgedeckt wurde, stellte die deutsche Presse gerichtet an die deutsche Regierung  die Frage,ob sich Gladio -Waffenlager in Deutschland befänden? Die deutsche Regierung bestätigte dies, lies aber verlauten, dass diese Waffenverstecke bis 1972 aufgelöst wurden. Deutsche Journalisten hegten damals den Verdacht, dass der Regierungssprecher Stavenhagen nicht die Wahrheit erzählte, als  er andeutete alle Waffenverstecke seien bis 1972 aufgelöst wurden. Es wurden auch noch in den 80er Jahren mysteriöse Waffenverstecke gefunden. Die bekannteste Entdeckung ereignete sich 1981, als Waldarbeiter  in der Nähe von Uelzen (Niedersachsen) zufällig auf ein großes Waffenlager stießen. Es wurden Gewehre und andere Kampfinstrumente gefunden. Nach der Entdeckung wurde der Forstaufseher und Rechtsextremist Heinz Lembke verhaftet. Er führte die Polizei zu einem gewaltigen vernetzen Arsenal, dass aus 33 unterirdischen Waffenverstecken bestand. Die Verstecke enthielten neben automatischen Waffen, chemischen Kampfmitteln (Arsen, Zyankali) und etwa 14000 Schuss Munition auch 50 Panzerabwehrrohre, 156 Kg Sprengstoff und 230 Sprengkörper sowie 258 Handgranaten. Es wurde alles Heinz Lembke in die Schuhe geschoben.Unter den Dokumenten, die 1952 sichergestellt wurden,befand sich auch ein Plan des BDJ-TD für den Tag X. Darauf war ausgeführt, dass die Lüneburger Heide der Treffpunkt der norddeutschen Stay-behind sein sollte. Lembke kam in Haft, aber aus einem anderen Grund. Er weigerte sich gegen sein Freund, dem damaligen rechtsradikalen Anführer der deutschen terroristischen Gruppe „Deutsche Aktionsgruppe“auszusagen. In Haft änderte er jedoch seine Meinung und wollte auch über die Waffenverstecke aussagen. Lembke erzählte einem Staatsanwalt wo sich alle 33 Verstecke befanden und kündigte an, am nächsten Tag über die Hintermänner der Verstecke auspacken zu wollen. Über die Männer, für die Waffen und der Sprengstoff vorgesehen waren. Am nächsten Tag fand man Heinz Lembke tot, an einem Seil hängend, in seiner Zelle. Er soll folgende schriftliche Mitteilung hinterlassen haben: „Genossen! Ihr wisst, weshalb ich nicht mehr leben darf. Wolfszeit! Heil Euch, Heinz Hermann Ernst Lembke“

Während der BND, der Öffentlichkeit damals versicherte , dass die Geheimarmee aufgelöst wurde und keine geheimen Waffenverstecke im Land existierten, kam dieses Thema 1995 erneut auf.Peter Naumann, ein 43-jähriger Chemiker und Experte im Bombenbau, führte die Polizei vor laufender Kamera (TV-Team des ARD-Magazins „Panorama) zu insgesamt 13 Waffenverstecken, die er nach eigenen Aussagen während der letzten 17 Jahre in Niedersachsen und Hessen errichtet hatte. Es wurden Waffen und Sprengstoff gefunden. Naumann erklärte der Polizei, dass er ein Freund von Heinz Lembke gewesen war und die meisten seiner Waffen aus Lembkes Versteck übernommen hatte.

2002 erhielt der ZDF-Journalist Stoll Stasi-Berichte über Stay-behind, deren Geheimhaltung aufgehoben wurde. Er folgerte , dass die Recherchen über Gladio fortgesetzt werden müssten.

Auf Anfrage von der Linken: Die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Sevim Dag˘delen,Annette Groth, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/13214 – zu Stay-behind antwortet die Bundesregierung am 22.05.2013:

Die Bundesregierung war im Rahmen mehrerer parlamentarischer Anfragen
mit den Darlegungen des Zeugen A. K. im o. g. Prozess befasst. In diesem
Zusammenhang wurden bereits mehrfach die einschlägigen Unterlagen der
Bundesregierung zu der Stay-behind-Organisation geprüft. Bisher konnten
darin keine Hinweise gefunden werden, die die Darlegungen des A. K. in
Bezug auf die Tätigkeit seines Vaters, J. K., bestätigen können (vgl. Bundes
tagsdrucksache 17/12949, S. 1 bis 2 sowie Anlage 15 zu Plenarprotokoll 17/
236). Ungeachtet dessen hat die Bundesregierung eine weitere Prüfung der
Vorwürfe veranlasst. Sollten sich weitere Hinweise ergeben, die die Behaup
tungen stützen, wird über das weitere Vorgehen zu beraten sein. Darüber hi
naus hat der Generalbundesanwalt (GBA) am 27. März 2013 einen Prüfvor
gang eingeleitet.
b) Der Aufbau der Stay-behind Organisationen der NATO-Staaten begann be
reits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Elemente der von alliierten
Nachrichtendiensten auf deutschem Territorium bis 1955 aufgebauten Nach
richtenbeschaffungs- und Schleusungsorganisation wurde vom Bundesnach
richtendienst (BND) übernommen. Die Stay-behind-Organisation des BND
war eine Vorsorgeeinrichtung für Informationsverbindungen im eventuellen
Fall einer militärischen Besetzung der Bundesrepublik Deutschland (zu Ein
zelheiten vgl. Antworten der Bundesregierung auf die Kleinen Anfrage der
Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste, Bundes
tagsdrucksache 12/890 – Enthüllungen über „Gladio“ –, vom 1. Juli 1991,
S. 2 und – Auflösung der Geheimorganisation „Gladio“ –, Bundestagsdruck
sache 12/2591 vom 27. Mai 1992). Infolge der weltpolitischen Veränderun
gen wurde im Herbst 1990 die Auflösung der Stay-behind-Organisation des
BND beschlossen. In Abstimmung mit den alliierten Partnern wurde die
Organisation bis zum Ende des dritten Quartals 1991 vollständig aufgelöst.
c) Im November 1990 hat der GBA geprüft, ob im Zusammenhang mit der Ein
richtung einer Stay-behind-Organisation durch Nachrichtendienste der
NATO-Staaten Maßnahmen im Rahmen seiner Zuständigkeit geboten sind.
Der GBA hat dies aufgrund der erhaltenen Informationen verneint.
d) Die Bundesregierung hat mit Schreiben vom 3. Dezember 1990 der damali
gen Parlamentarischen Kontrollkommission einen Bericht zur Stay-behind
Organisation des BND vorgelegt, den diese auch der Öffentlichkeit zur Ver
fügung stellen konnte. Der Einfachheit halber ist dieser hier nochmals als
Anlage beigefügt. Wesentliche darüber hinaus gehende neue Erkenntnisse
liegen der Bundesregierung dazu derzeit nicht vor. Im Rahmen der Erfor
schung der Frühgeschichte des BND wird auch dessen Stay-behind-Organi
sation behandelt werden. Die Ergebnisse bleiben abzuwarten.
e) Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die Altaktenbestände des BND
noch nicht vollständig erschlossen sind und daher in Zukunft weitere ein
schlägige Unterlagen gefunden werden könnten.

und weiter:

3. Trifft es nach Kenntnis der Bundesregierung zu, dass für Gladio/stay
behind in Deutschland Waffenlager angelegt waren, und wenn ja,
a) welche Rolle hatten dabei deutsche Behörden und J. K.,
b) welche weiteren Angaben kann die Bundesregierung zu Art, Ausstat
tung, Umfang, Lage, Einrichtung, Nutzung und Nutzungsdauer dieser
Lager machen,
c) sind nach Kenntnis der Bundesregierung alle derartigen Lager aufgelöst
(bitte Zeitpunkt der Auflösung mitteilen) oder werden noch welche un
terhalten?
Der Bundesregierung ist bekannt, dass die Alliierten in Deutschland versteckte
Depots für den Verteidigungsfall angelegt hatten. Es handelte es sich um Me
tall- oder Kunststoffbehälter, die neben Notproviant, Wertgegenständen für den
Tauschhandel und Ausrüstung für Agenten auch Waffen enthielten. Der BND
selbst hat nach Kenntnis der Bundesregierung keine solchen Depots angelegt.
Die Depots sollten bis 1972 durch die Stay-behind-Organisation des BND auf
gelöst werden. Es wurden aber noch Ende der 1990er Jahre entsprechende De
pots der Alliierten gefunden. Die Bundesregierung geht nunmehr davon aus,
dass all diese Depots gefunden und aufgelöst wurden.

Zu Heinz Lembke:

4. Trifft es zu, dass der BND den nach dem Auffliegen eines Waffenlagers im
niedersächsischen Uelzen festgenommenen Forstbeamten H. L. im Ge
fängnis aufgesucht hatte, und wenn ja, was war Gegenstand und Ziel dieses
Besuches, und wann fand er statt?
Unterlagen, die den dargestellten Sachverhalt bestätigen, konnten bei den an
lässlich der Anfragen angestellten Aktenrecherchen nicht festgestellt werden.

und:

14. Von wem wurde die deutsche „Stay-behind“-Organisation eingesetzt und
kontrolliert?
Als Teil des BND wurde dessen Stay-behind-Organisation vom Präsidenten des
BND eingesetzt und kontrolliert. Die Fach- und Dienstaufsicht für den BND und
damit auch – bis zu deren Auflösung im Jahr 1991 – für dessen Stay-behind-Or
ganisation oblag – wie auch die politische Verantwortung – dem jeweiligen Chef
des Bundeskanzleramtes bzw. vom 17. Dezember 1984 bis zum 2. Mai 1989
dem Staatssekretär beim Bundeskanzler. Bezüglich der Kontrolle durch das Par
lament wird auf die Antwort zu Frage 7 sowie ergänzend auf die Antwort der
Bundesregierung zu Frage 9 der Kleinen Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke
und der Gruppe der PDS/Linke Liste – Auflösung der Geheimorganisation „Gla
dio“ –, Bundestagsdrucksache 12/2703 vom 27. Mai 1992 verwiesen.

Bis heute ist das deutsche Stay-behind-Netzwerk nicht vollständig aufgeklärt und untersucht.

Neben Italien (Geheimarmee Gladio) und Deutschland gab es zudem in 12 weiteren NATO-Staaten eine Geheimarmee (ausgenommen Island und Kanada). Diese Aussage vertritt  Daniele Ganser, der zu diesem Thema ein Buch verfasste, dem jahrelange Recherchen vorausgingen. Auch in der Schweiz soll laut Ganser eine NATO-Geheimarmee existiert haben. Sie trug den Namen P26. Österreich, Finnland und Schweden standen ebenfalls mit ihrer Geheimarmee indirekt mit den amerikanischen und englischen Geheimdiensten und der NATO in Verbindung. Der MI6 und die CIA waren die Drahtzieher beim Aufbau von Stay-behind Netzwerken in Europa.

 

Quellen:

Buch: Daniele Ganser-NATO-Geheimarmeen in Europa

https://de.wikipedia.org/wiki/Gladio

https://de.wikipedia.org/wiki/Counter_Intelligence_Corps

https://de.wikipedia.org/wiki/Stay-behind-Organisation

https://www.focus.de/politik/deutschland/report-lauter-einzeltaeter_aid_755334.html

https://www.cia.gov/library/readingroom/docs/CIA%20AND%20THE%20ORIGINS%20OF%20THE%20BND,%201949-56%20%20%20VOL.%201_0001.pdf

https://www.heise.de/tp/features/Gladio-und-Terror-in-Deutschland-Das-Oktoberfestattentat-3420139.html

https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2017/06/es20170613_2bve000115.html

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/136/1713615.pdf

ZDF Doku – Die Schattenkrieger der NATO (25.03.2014)

 

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